Zwischen Büchern - Zusammen sein - Waltrops Dritter Ort
Das Gebäude bewahrt die Literatur, die Literatur trägt das Haus. Der Holzbau schafft einen großzügigen stützenfreien Raum mit viel Tageslicht, wechselnden Aus- und Einblicken und frei einteilbarer Fläche. Das Fassadentragwerk dient zugleich als Stollenwandkonstruktion für die Bücherregale und nimmt Regalböden in frei wählbaren Höhen auf. Wechselnde Dachneigungen vermitteln zwischen dem Bestandsbau und der Ziegeleistraße, wo die Gebäudeform zum Eingangshof leitet und mit dem historischen Schulgebäude ein zurückhaltendes Ensemble bildet.
Der Alltagszugang führt über das Managementcenter, das die soziale Kontrolle sicherstellt. Von dort verteilen sich die Wege zur Volkshochschule, zum Kulturwohnzimmer und zur Bibliothek. Ein zweiter Verteilraum dient der Orientierung und erlaubt den Zutritt auch außerhalb der Geschäftszeiten des Managementcenters, sodass alle Nutzungen unterschiedliche Öffnungszeiten haben können. Er ist so bemessen, dass er zugleich die automatische Bücherrückgabe und eine Garderobe aufnimmt und bei schlechtem Wetter als Windfang für das Managementcenter dient.
Die Zugänge zum Kulturwohnzimmer und zur Mediathek sind klar erkennbar. Ein begrünter Innenhof schafft Übersicht und Großzügigkeit. Von hier führt der Weg auch in den Garten. Durch die Wegnahme bestehender Wände wird dieser Übergang weiter gefasst und nimmt die gastronomische Versorgung über Snackautomaten sowie ein neues barrierefreies WC auf. Weitere WCs werden vom Kulturwohnzimmer aus erreicht, ein Büro rundet den Funktionsumfang ab. Das Tageslicht liefern die Fenster der bisherigen Pausenhalle, die ausgebaut und an dieser Stelle wieder eingesetzt werden. Ein Bypass in die Bibliothek erlaubt es, beide Bereiche zusammenzuschalten. Der Raum ist frei möblierbar: Bartische und -stühle am Innenhof, Sofas und weitere Sitzmöbel im südöstlichen Bereich.
Die Bücherregale sind fest in die Fassade integriert, weitere Regale lassen sich frei im Raum bewegen. Für die flexible Nutzung ist das entscheidend. Abstellflächen an verschiedenen Orten dienen im Büchereibetrieb als Stuhllager und bei Veranstaltungen als Regallager. Vorhänge trennen ab und zonieren auch während der Nutzung, etwa für einen Spielebereich oder eine Stillarbeitszone.
Kulturwohnzimmer und Verteiler werden auf Höhe der Bestandstraufe mit Brettsperrholzdecken erweitert, die an Neubau und Bestand anschließen. Die provisorische Holzwand entfällt dafür. Das Haupttragwerk der Mediathek bilden materialsparende Fachwerkträger auf Stützen aus Brettschichtholz. Dazwischen spannen Brettsperrholzdecken, die das Gründach tragen und durch ihre unterschiedlichen Neigungen Oberlichter ermöglichen. Ihre unterste Schicht ist perforiert und wirkt dadurch akustisch. Die Fassade ist als Fachwerk ausgebildet, das zum Raum offen liegt und unmittelbar als Bücherregal dient. Die Regalböden sind in das Tragwerk integriert. Außen bekleidet eine vertikale Lärchenschalung mit Nut und Feder die Konstruktion.
Die Freianlagen werden großzügig begrünt. Auch der Innenhof zwischen Volkshochschule und Mediathek erhält Grün und wird mit beweglichen Möbeln zu einem schattigen Aufenthaltsort in Zentrumsnähe.